Die Reformation und ihre Folgen:

Niedergang der Wallfahrt

 

Die deutsche und europäische Welt des ausgehenden Mittelalters war voll von Reformrufen und Reformaktivitäten. Kaiser und Stände rangen miteinander um die Reform des Reichs, Territorien und Städte bemühten sich um die Reformierung ihrer Rechtsordnung, an den Universitäten stritt man um die Reform des Studiums. Vor allem jedoch rief alle Welt nach einer gründlichen Reform der Kirche an Haupt und Gliedern. Wobei der Akzent durchaus auf dem Wort „Haupt“ lag.

Gemeint war die Reform des Papsttums auf Grund seiner Verweltlichung, die eng mit der Herrschaftsstellung des Papstes als Herrn des Kirchenstaates zusammenhing. Zur Verstrickung in die weltliche Politik kam die verweltlichte, amoralische Lebensführung und Amtsauffassung der Renaissancepäpste, die ihr Amt ungeniert in den Dienst ihrer Familieninteressen gestellt hatten.

 

Ein weiterer neuralgischer Punkt war der Fiskalismus der Kurie. Für die Erlangung bedeutender kirchlicher Ämter mussten gewaltige Summen nach Rom entrichtet werden. Für eine Vielzahl von Ämtern stand der Kurie überdies das Einkommen des ersten Amtsjahres zu. Das waren die besonders verhassten Annaten. Hinzu kam, dass in vielen Belangen Dispens von ansonsten zwingenden Regeln des kirchlichen Rechtes erlangt werden konnte, wenn man nur genug bezahlte. Insbesondere der Dispens vom Verbot der Pfründenhäufung wurde zu einer sprudelnden Einnahmequelle.  (Pfründe: Einkommen aus einem weltl. oder kirchl. Amt)

Das Ablasswesen wurde immer stärker von den fiskalischen Zielen der Kurie bestimmt.

 

Die Anhäufung von Pfründen trug wesentlich zur Verkümmerung des kirchlichen Amtes bei. Die Vereinigung von mehreren Bistümern oder Abtstellen in einer Hand war keine Seltenheit. Die Kumulation niederer Pfründe noch viel häufiger. Die Pfründeninhaber überließen die Amtsverrichtungen vielfach schlecht ausgebildeten und miserabel bezahlten Stellvertretern.

Das Recht, die Pfründe von Maria Linden zu vergeben und die Stelle eines Wallfahrtsseelsorgers zu besetzen, lag in den Händen der Herren von Windeck. Die Windecker kamen ihrer Verantwortung teilweise nicht nach und nutzten die Pfründe über Jahrzehnte hinweg für sich aus.

Im Zuge der Reformation spaltete sich das Haus Baden konfessionell in eine katholische und eine

protestantische Linie auf. Der evangelische Zweig hatte zunächst in Rastatt, dann in Durlach seinen Herrschaftssitz. Maria Linden gehörte zunächst zu dem bei der katholischen Kirche verbleibenden Landesteil, mit seinem Zentrum in Baden-Baden.

Mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 hatten die Untertanen die Konfession ihres jeweiligen Herrschers zu übernehmen. Als 1577 der katholische Pfarrer Ferler nach Ottersweier kam, wusste fast niemand mehr, ob er zur alten oder neuen Religion gehörte. In sechszehn Jahren hatte die Markgrafschaft siebenmal die Konfession gewechselt.

In den Jahren von 1610 bis 1618 wurde kaum viermal im Jahr eine Heilige Messe in der Wallfahrtskirche gelesen. Der spätere Geschichtsschreiber, der Jesuit, P. Schommartz, klagt mit Blick auf diese Epoche: „Der Andachtseifer war ganz erkaltet."

(P.U.J.)

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1500 - 1600