Die Jesuiten kommen nach Maria Linden -

 

neues Aufblühen der Wallfahrt

und Umbau der Kirche

 

 

 

Als Georg Friedrich von Baden-Durlach in der Schlacht von Wimpfen 1622 den kaiserlichen Truppen unterlag, konnte Ludwig Wilhelm von Baden-Banden wieder den väterlichen Anteil der Markgrafschaft übernehmen. Er entließ die lutherischen Prediger und beauftragte die Jesuiten, die eine Niederlassung in Baden-Baden hatten, durch mehrmonatige Missionen den geistlichen „Grundwasserspiegel“ in den Pfarreien zu heben und sie im bisherigen katholischen Glauben zu unterweisen.

Zur Auffrischung des Glaubens unternahmen sie unter anderem auch Prozessionen. Im Juli 1623 zog von Baden-Baden eine Wallfahrtsprozession nach Maria Linden. Pater Zinner predigte vor 7000 Zuhörern. Der Weihbischof von Konstanz hielt einen feierlichen Gottesdienst.

 

1639 wurden dann die Jesuiten als Seelsorger nach Ottersweier berufen. Sie wohnten zunächst in Privathäusern, in der Hub, in der Michaelskaplanei bis ihnen 1680 bis 1692 eine Residenz gebaut wurde, das heutige Rathaus. Von Ottersweier aus betreuten die Jesuiten auch die umliegenden Kirchen, vor allem aber die Wallfahrtskirche.

Gefördert durch die Jesuiten erwachte das geistliche Leben in Maria Linden, das einst durch zahlreiche Wunder bekannt geworden war, neu.

 

In ihren Jahresberichten verzeichneten die Jesuiten die Anzahl der Kommunionen. Zum Wallfahrtsprogramm eines Pilgers gehörte die Beichte, der Besuch der Heiligen Messe und der Empfang der Heiligen Kommunion. Während im Jahr 1649 etwa 3500 Pilger kommunizierten, waren es 1658 bereits 5248 und 1674 schon 9789. Die Zahl stieg im Jahr 1715 auf etwa 14000 Kommunionen und erreichte ihren Höchststand 1768 mit 20000 Beichten und Kommunionen.

Angesichts der mit heute verglichenen viel dünneren Siedlungsdichte im 17. und 18. Jahrhundert und der Anstrengung, lange Wege zu Fuß und nüchtern zurückzulegen, sind diese Zahlen erstaunlich.

Eine Auszeichnung war es, wenn an einem Wallfahrtsort ein Ablass gewonnen werden konnte. Die Jesuiten erwirkten im Jahr 1648 diese Möglichkeit am Fest Maria Heimsuchung (2. Juli). Der Zustrom aus den umliegenden Pfarreien war so groß, dass die Beichtväter bis zwei Uhr nachmittags zu tun hatten. Man erzählt, hunderte mussten, ohne die Sakramente empfangen zu haben, heimkehren.

In der Adventzeit führten die Jesuiten tägliche Roratemessen in Maria Linden ein. Der Chronist berichtet, dass die Bäuerinnen ihre Arbeit liegen ließen und so häufig wie möglich zur Wallfahrtskirche kamen.

Ab Ende des 17. Jahrhunderts brachen an festen Tagen im Kirchenjahr zahlreiche umliegende Ortschaften in Prozession auf und unternahmen die Wallfahrt nach Maria Linden. Am Fest des Heiligen Philippus und Jakobus, das damals am 1. Mai gefeiert wurde, kam eine Prozession aus Steinbach, zum Josefstag aus Bühl, an Mariä Heimsuchung aus Sasbach, am Fest der Kreuzauffindung aus Neusatz, am Dienstag vor der Karwoche trafen Prozessionen aus mehreren Nachbarorten zusammen. Besonderen Glanz erhielten die Prozessionen, wenn sich der Markgraf mit seinem Hof beteiligte.

 

Maria Linden war nicht so sehr wegen seiner schönen Lage oder wegen der imposanten Kirche beliebt. Vielmehr zog der Wallfahrtsort die Gläubigen wegen der Wunder und Gebetserhörungen an, die sich in Maria Linden ereigneten. 1650 pilgerten ungefähr 6000 Gläubige teilweise stundenlang nach Maria Linden, um die Gottesmutter um ihre Fürsprache dafür zu bitten, dass der Dauerregen aufhören möge und die Herbstaussaat gemacht werden könne. Da die Kirche die vielen Menschen nicht fassen konnte, musste die Andacht im Freien gehalten werden. Noch während der Predigt hörte der Regen auf, so wird es überliefert. Es kam gutes Wetter und die Aussaat konnte endlich erfolgen.

In Visitationsberichten aus den Jahren 1666 und 1692 wird erwähnt, dass in Maria Linden zahlreiche Wunder geschehen sind. In den jährlichen Rechenschaftsberichten der Jesuiten wer den ebenso mehrfach Wunder bezeugt. So pilgerte im Jahr 1675 die Mutter eines Jungmannes, der von Sinnen war, nach Maria Linden und ließ eine Heilige Messe lesen. Als sie nach Hause kam hatte ihr Sohn den Verstand wieder erlangt.

 

Pater Schommartz beruft sich in seiner Chronik aus dem Jahre 1775 auf schriftliche Aufzeichnungen von Wundern. Ein gutes Dutzend davon schildert er in seinem Bericht. Beispielsweise hatte 1749 eine „Bürgerstochter von Capel“ nach siebenjähriger Blindheit auf die Fürsprache der Gottesmutter von Maria Linden das Augenlicht wieder erhalten.

1759 herrschte in Ottersweier das „hitzige Fieber“. Nachdem die Gemeinde einen Bittgang nach Maria Linden unternommen hatte, war kein einziger Ottersweirer mehr an dieser Erkrankung gestorben. Diese Gebetserhörung hatte solchen Eindruck gemacht, dass zum Dank eine Votivtafel am Vierzehn-Nothelfer-Altar angebracht wurde.

Als 1756 Dach und Mauerwerk der Kirche einer gründlichen Renovation bedurften, beschloss der Rektor, Pater Germans, den Bau eines neuen Langhauses. Die Jesuiten sorgten danach auch für die Innenausstattung der Kirche. Den neuen Hochaltar für die neue Kirche, wie er heute noch zu sehen ist,  stiftete Markgraf August Georg von Baden und seine Gemahlin Maria Viktoria.

Kaum war die neue Kirche gebaut und eingerichtet, gab Papst Klemens XIV. 1773 dem Druck mehrerer europäischer Herrscherhäuser nach und löste die Gesellschaft Jesu, also auch die Niederlassung de Jesuiten in Ottersweier, auf. In der Osterwoche 1774 mussten die Patres ihr Ordensgewand ausziehen und das Haus verlassen.

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1600-1800