Die Linden, der Brunnen und das Marienbild

 

 

Maria Linden ist einer von vielen Wallfahrtsorten, deren Marienbild zunächst, wie seit jeher mündlich überliefert wurde, in der Höhlung einer Linde aufgestellt war.

 

Warum gerade in einem Lindenbaum?

Nach Jakob Grimm galten Haine, Wälder oder einzelne Bäume bei den Germanen und Kelten als heilige Orte, wo die Geister sich aufhalten und wo man vielleicht auch geopfert hat. Der heidnische Baumkult verehrte gerade in Hohlbäumen gute und böse Geister und so scheint es kein weiter Weg dahin zu sein, dass in christlicher Zeit an diesen Orten ein Kreuz oder ein Heiligenbildnis aufgestellt wurde (vgl. Ehrenfried S.12). Neben Eiche und Holunder war vor allem die Linde ein bei den Germanen besonders verehrter Baum.

 

Auch der Brunnen, den es heute noch gibt, deutet auf einen sehr frühen Ursprung, also ein hohes Alter unseres Wallfahrtsortes hin. Jakob Grimm schreibt: „Legten die Heiden die Wunderkraft einer Quelle ihren Wassergeistern zu, so übertrugen die Christen das nachher auf ihre Heiligen.“ (vgl. Ehrenfried, S. 12)

An der Nordseite der Kirche befindet sich heute noch ein Brunnen, der auf alten Zeichnungen gut zu sehen ist und aus dem, wie man den Quellen entnehmen kann, die Pilger gewohnt waren zu trinken oder die Augen zu waschen, im Vertrauen darauf, durch das heilsame Wasser gegen Fieber geschützt zu sein.

 

Falls hier bei den Linden ein germanisches Heiligtum gewesen sein sollte, so weiß man doch nichts Genaues, wann Maria an diesem Ort ihren Platz in der Linde erhielt. Eine alte Legende erzählt vom Ursprung lediglich, dass es hier ein Marienbildnis gab und dass es in unsicheren Zeiten in Sicherheit gebracht werden musste.

 

Vom besagten Marienbild weiß die Legende zu berichten, dass es ehemals in der Nische eines Lindenbaumes stand, bevor es seinen Platz am Hauptaltar in der Kirche bekam. Als „ruchloses Kriegsvolk die Gegend überschwemmte“* und Kirchen und Bilder zerstörte, „da wurde das Marienbild in die Nische des Baumes eingeschlossen und war jedem Auge verborgen, bis Friede und Ordnung im Land wiederhergestellt waren.“

Zur Wiederentdeckung kam es dadurch, dass „ein Hirtenmädchen, das in der Nähe der Linde seine Herde hütete, eines Abends einen Gesang vernahm, der aus dem Baum zu klingen schien. Dies wiederholte sich an zwei und drei Tagen darauf.“ (Schnezler, Sagenbuch, 1846)

Die Legende erzählt weiter, dass der Vater des Mädchens die ganze Sache für Zauberwerk eines bösen Geistes hielt und daraufhin die Linde fällen wollte. Als er mit der Axt die Linde berührte, fielen die Teile ab, welche das Marienbild verdeckt hatten und zum Vorschein kam das Muttergottesbild.

Die Nachricht von diesem Wunder verbreitete sich schnell und die Menschen aus der Gegend kamen zahlreich, um hier zu beten.

 

Die Herren von Windeck sollen daraufhin neben der Linde eine Kapelle errichtet haben, wo das Bild danach aufgestellt wurde.

 

 

*Interessant könnte in diesem Zusammenhang sein, dass um das Jahr 1390 die sog. Schlegler-Kriege die Gegend durch massive und zahlreiche Überfälle in Angst und Schrecken versetzten. Bernhard II, Markgraf von Baden, trat diesen aufständischen Adligen mithilfe eines Bündnisses entgegen.

vmb

 

 

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