„Das erste Ziel eures gemeinsamen Lebens ist,

in Eintracht zusammenzuleben

 und ein Herz und eine Seele auf Gott hin zu sein.“ (Regula I,1)

 

 

Brüder vom Gemeinsamen Leben

 

So beginnt der Heilige Augustinus (354-430) seine Regel mit der er seinen langjährigen Freundeskreis in eine Ordensgemeinschaft  überführt. Das Ideal der um Augustinus gescharten Brüder ist am Lebensstil der Urgemeinde von Jerusalem orientiert. Denn in der Apostelgeschichte liest die junge Gemeinschaft in Nordafrika: „Alles hatten sie gemeinsam und jedem wurde zugeteilt, je nachdem er es bedurfte.“ (Apg 4,32.35)

 

Unser Ordensvater Augustinus hat als Bischof von Hippo sehr um die Einheit der Katholischen Kirche in Nordafrika gerungen. Sein gesamtes Denken und Handeln ist von dem „Neuen Gebot“ geprägt, das Jesus seinen Jüngern im Abendmahlssaal vor seinem Leiden anvertraut hat: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“ (Joh 13,34f.)

 

 

In der Gemeinschaft der Kirche ist Christus lebendig. Und nur wenn ihre Glieder - wir die Gläubigen - einander lieben und zwar so, dass ein Glied das andere „höher schätzt als sich selbst“ (Phil 2,3).

 

Dieses Ideal setzt reife Persönlichkeiten voraus, die sich stets dem Licht der Gnade aussetzen und zeitlebens zu kritischer Selbstbesinnung und geistlicher Umkehr bereit sind.

 

 

Geschichtliche Wurzeln der „Brüder vom Gemeinsamen Leben“

 

Im Bestreben das religiöse Leben seiner Zeit in diesem Geist der Urkirche zu erneuern, gründet Gerhard Groote (1340-1384) in Deventer, in den heutigen Niederlanden, zunächst eine Schwesterngemeinschaft, dann eine erste Brüderkommunität. Das „Ghemeyne leven“, wie es damals heißt, bedeutet den Brüdern und Schwestern ein schlichtes, dem „allgemeinen“ Alltag ihrer Umgebung angepasstes „gewöhnliches“  Leben, das dem Dreieinigen Leben Gottes, dem Ursprung allen „Gemeinsamen Lebens“ entströmt.

 

Es ist eine Lebensform, getragen von einer verinnerlichten Frömmigkeit, die allen mitteilbar und teilgebend ist und sich jedem Menschen ohne Ansehen der Person öffnet. Diese Grundhaltung führt im späten Mittelalter zu einem religiösen Aufbruch, der unter der Bezeichnung „devotio moderna“, „zeitgemäße Frömmigkeit“, bekannt ist. Die geistige Kraft dieser Erneuerungsbewegung wirkt bis heute durch das Buch der „Nachfolge Christi“ des Thomas von Kempen fort.

 

Einige Brüder übernehmen die Augustinusregel und gründen im niederländischen Windesheim ein Chorherrenkloster, das in der Folgezeit Ausgangspunkt einer weithin ausstrahlenden Reformbewegung im Augustiner-Chorherrenorden wird. Durch die sogenannte Reformation im 16. Jahrhundert stark dezimiert, werden nach wechselvoller Geschichte die „Brüder vom Gemeinsamen Leben und Schwestern vom Gemeinsamen Leben“ in der Säkularisation durch staatliche Verfügung aufgehoben. Eine der letzten Schwestern ist die am 3. Oktober 2004 seliggesprochene Mystikerin Anna Katharina Emmerick.

 

Neubeginn in Maria Bronnen und Leben

 

Die Gemeinschaft der „Brüder vom Gemeinsamen Leben“ mit Hauptsitz in Maria Bronnen ist eine Wiederbegründung aus dem Jahre 1975. Seit 1991 sind wir eine eigenständige Kongregation päpstlichen Rechts in der Konföderation  des Ordens der Augustiner-Chorherren. Gemeinsam mit der ebenfalls wiederbegründeten und  uns zugeordneten Schwesterngemeinschaft versuchen wir im Geist des Heiligen Augustinus und der ‚devotio moderna’  in unserer heutigen Zeit Zeugnis für Jesus Christus abzulegen.

 

Nach segensreichem Wirken der Kapuziner in Maria Linden hat Erzbischof Oskar Saier den Wallfahrtsort 1994 unserer Gemeinschaft anvertraut.

 

Kraftquelle unseres Lebens ist das gemeinsame Stundengebet und die Feier der Eucharistie. Sie stiftet die Einheit unserer Gemeinschaft und aller, mit denen wir den „Leib Christi“ bilden.

 

Zu unserem geistlichen Leben gehört wesentlich die eucharistische Anbetung und die Verehrung der Gottesmutter Maria.

 

Im Sinne des II. Vatikanischen Konzils wollen wir mithelfen „die vielfältigen Charismen der Laien, schlichte wie bedeutendere, mit Glaubenssinn aufzuspüren, freudig anzuerkennen und mit Sorgfalt zu hegen“ (PO Nr. 9)

 

In der Geisteshaltung der Armut sind wir uns bewusst, dass wir die kostbarsten Güter unseres Lebens nur als Gabe empfangen und nicht erwerben oder durch eigene Leistung herstellen können. In dieser Geisteshaltung können wir auch unsere Unzulänglichkeiten und unsere Misserfolge annehmen und ebenso unser Versagen und unsere Schuld vertrauensvoll der Barmherzigkeit Gottes übergeben und auf die Barmherzigkeit der Menschen hoffen.

 

1994 hat die Ordensgemeinschaft die Seelsorge in der Wallfahrtskirche Maria Linden übernommen.

(Text: P. Ulrich Johannes)

 

 

 

 

Kloster Maria Bronnen