Als Christen sind wir auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft. Der Hochaltar von Maria Linden lädt uns zum Bekenntnis an den einen Gott in drei Personen ein.
Gott Vater thront an oberster Stelle. Er ist Schöpfer des Himmels und der Erde.
Der Heilige Geist, symbolisiert durch die Taube, ist das Band der Liebe zwischen Vater und Sohn. Durch den Heiligen Geist wirkt Gott in unsere Welt hinein.
Vom Heiligen Geist überschattet hat uns Maria Jesus geboren. Das Jesuskind steht aufrecht auf dem Knie der Mutter Gottes von Maria Linden. Maria präsentiert uns Ihren Sohn. Wir dürfen ihr auf der Hochzeit von Kana gesprochenes Wort hören: „Was er euch sagt, das tut.“ (Joh 2,5)
Unser aus Lindenholz geschnitztes Gnadenbild wurde um 1355 im oberrheinisch/schwäbischen Raum geschaffen. Es ist vom Typ „Sedes sapientiae“, dt. „Sitz der Weisheit“.
Maria sitzt auf dem Thron des weisen Königs Salomo. König Salomo ist der Sohn Davids. Aus Davids Geschlecht entstammt der Messias, Jesus Christus.
In Jesus Christus selbst sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis versammelt. Aus seinem Mund vernehmen wir die Worte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6)
Das Antlitz des Jesusknaben trägt keine kindlichen Züge. Es lässt bereits etwas von der Bürde des Kreuzes erahnen.
Das weihnachtliche Heilsgeheimnis der Menschwerdung Gottes ist in der Farbgebung der Gewänder angedeutet. Maria trägt ein silbernes Untergewand und ein goldenes Obergewand. Der Jesusknabe ist lediglich mit einem silbernen Gewand bekleidet. Gold ist die Symbolfarbe für Unvergänglichkeit, für Ewigkeit, für den Himmel.
Christus hat sein goldenes Gewand abgelegt. Das göttliche Wort ist Mensch geworden. (vgl. Joh 1,1 u. Phil 2,6f.)
In den liturgischen Gebeten der Weihnachtszeit ist vom Heiligen Tausch die Rede. Das göttliche Wort, Gottes Sohn, wurde ein sterblicher Mensch damit wir sterbliche Menschen in Christus göttliches Leben empfangen.
Maria ist mit einem goldenen Gewand bekleidet. Das goldene Gewand symbolisiert göttliches Leben. Maria, ein menschliches Geschöpf, verdankt sich ganz der göttlichen Gnade. An Maria hat Gott bereits vollzogen, was wir noch voll Hoffnung erwarten: Unsere Leib und Seele umfassende Vollendung in der himmlischen Herrlichkeit.
Im schlichten silbernen Untergewand steht Jesus Christus da. Oft unerkannt und doch der Herrscher der Welt. Sein Gewand ist ohne Naht von oben bis unten durchgewebt. Dieses Gewand birgt Trost und Verheißung in sich. Wir leiden unter der durch Sünde zerrissenen Einheit. Christus hat durch Tod und Auferstehung die Sünde besiegt. Er schenkt uns Einheit des Menschen mit Gott und Einheit des Herzens.
Der Jesusknabe streckt uns seine geöffnete rechte Hand entgegen. Er lädt uns ein, seine verwandelnde Liebe anzunehmen.
In der linken Hand hält er die von einem Kreuz gekrönte Weltkugel. Durch seine Hingabe am Kreuz hat er die zerstörerischen Mächte dieser Welt besiegt. Jesus ist der Herr (Röm 10,9).
Durch seine Gnade wird sich das Angesicht der Erde verwandeln. Wir dürfen an der Heiligung unserer Welt mitwirken. Vorausgesetzt, dass unser Herz nicht an den Gütern dieser Welt hängt, sondern Jesus gehört. So ist seine ausgestreckt Hand auch Einladung an uns: schenk mir dein Herz. Lass mich Herr deines Lebens sein.
Jesus liebt es, durch uns Segen und Heil in diese Welt zu tragen. Da Gott nicht ein Gott der Toten sondern der Lebenden ist (Mt 22,32), glaubt die Kirche, dass er durch die Fürsprache der Heiligen und besonders durch seine von der Erbsünde verschonte Mutter Maria uns in allen Anliegen zu Hilfe kommt.
Durch das Kreuz hat Jesus uns erlöst. Unter dem Kreuz standen Maria und sein Lieblingsjünger Johannes. Maria und Johannes sind die ersten Vertreter des neuen Israel, der Kirche. Zu Maria sagt Jesus: „Frau, siehe, dein Sohn!“ und zu Johannes: „Siehe, deine Mutter!“
Die Kirchenväter und mit ihnen der Heilige Papst Paul VI. mit den Konzilsvätern des II. Vatikanischen Konzils ehren Maria deshalb als „Mutter der Kirche“.
Maria ist Mutter der Kirche. Eine Mutter sorgt für ihre Kinder. Wir dürfen uns voll Vertrauen an unsere himmlische Mutter Maria wenden. Wie jeder Sohn freut sich Jesu, wenn wir seine Mutter ehren. In der Heiligen Schrift lesen wir über Maria: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter." (Lk 1,48)
Das Gnadenbild von Maria Linden stellt die Gottesmutter ohne individuelle Gesichtszüge dar. Der Künstler lädt uns zur Identifikation mit Maria ein. Maria ist uns Vorbild im Glauben.
Auf ihrem Lebensweg hat Maria vieles zunächst nicht verstanden und dennoch immer wieder „Ja“ gesagt. Denken wir an die Umstände der Empfängnis Jesu, an die ersten dreißig Jahre seines unauffälligen Lebens in Nazareth.
Maria hatte vom Engel die Prophetie erhalten, dass ihr Kind „Sohn des Höchsten“ genannt wird, ihm der „Thron seines Vaters David“ gegeben wird und „seine Herrschaft kein Ende haben wird“ (Lk 1,32f.). Wie wird es Maria in all den Jahren mit dieser Verheißung ergangen sein?
Auf der Hochzeit zu Kana erkennen wir, dass Maria an diese Verheißung geglaubt hat. Sie fordert Jesus auf, sein erstes Wunder zu wirken und so seine göttliche Vollmacht zu offenbaren (Joh 2).
Maria hat die Jahre des öffentlichen Wirkens ihres Sohnes erlebt. Zunächst den großen Zuspruch; dann seine Ablehnung. Was hat Maria, die Mutter Jesu dabei empfunden?
Schließlich hat Maria ihren Sohn bis unter das Kreuz begleitet und ist nicht daran zerbrochen. Haben sie die dreimaligen prophetischen Worte seines Todes und seiner folgenden Auferstehung aufrecht gehalten?
Nach den Ereignissen von Tod, Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn begegnen wir Maria erneut in der Heiligen Schrift. Im Obergemacht sind die Apostel mit den Frauen, den Verwandten Jesu um Maria einmütig im Gebet versammelt. (vgl. Apg 1,13f.)
Sie erwarten gemeinsam die Sendung des Heiligen Geistes. Während die Jüngerinnen und Jünger Jesu bisher keine Erfahrung mit dem Heiligen Geist haben, wird Maria die Stunde ihrer Empfängnis nie vergessen. Maria hat eindrücklich erfahren, dass der Heilige Geist neues Leben schenkt.
Maria ist eine gute Verbündete im Ringen um die Neuevangelisation unseres Landes.
In der Barockzeit wurden dem Gnadenbild Kronen zugefügt. Durch die Krone auf dem Haupt des Herrn wird die Königsherrschaft Jesu unterstrichen. Jesus ist der wahre König dieser Welt. Jesus ist der Herr. Er hat die Macht, Böses in Gutes zu wenden.
Auch Maria ist gekrönt. In ihrer rechten Hand hält sie ein Zepter. Maria ist die Königin der Engel. In Nazareth hat der Engel ehrfürchtig das Mädchen Maria begrüßt. Die demütige Magd hat Gott berufen, Mutter des Herrn zu werden.
Der Strahlenkranz hinter dem Gnadenbild ist ebenfalls barocke Zutat. Durch diese Strahlen wird auf die apokalyptische Frau in der Geheimen Offenbarung Kapitel 12 angespielt.
Die Kirchenväter deuten dieses Bild von der mit der Sonne bekleideten Frau auf Maria und zugleich auf die Kirche. Die Kirche erwartet die Wiederkunft des Herrn in Herrlichkeit. In Maria unserem Vorbild im Glauben personalisiert sich die Kirche.
Wir dürfen im Strahlenkranz auch ein Zeichen der gnadenhaften Verherrlichung der Mutter Gottes sehen. Der Herr hat Maria bereits mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Was wir noch gläubig erhoffen hat der auferstandene Herr bereits an seiner Mutter vollzogen.
Als Pilger zum himmlischen Jerusalem sind wir auf dieser Erde stets in Gefahr, vom rechten Weg abzuirren. An der Hand der Mutter Gottes laufen wir nicht in die Irre. Maria zeigt uns fortwährend Jesus und begleitet uns auf unserem Weg heim ins Vaterhaus.
Heilige Maria, Mutter Gottes,
du hast der Welt
das wahre Licht geschenkt,
Jesus, deinen Sohn – Gottes Sohn.
Du hast dich ganz
Dem Ruf Gottes überantwortet
Und bist so zum Quell der Güte geworden,
die aus ihm strömt.
Zeige uns Jesus. Führe uns zu ihm.
Lehre uns ihn kennen und ihn lieben,
damit auch wir selbst
wahrhaft Liebende
und Quelle lebendigen Wassers
werden können
inmitten einer dürstenden Welt.
Benedikt XVI.



